Warum gebe ich soviel Geld aus?

9 Gründe, die Dir helfen, Dich besser zu verstehen

Immer wieder passiert es Dir: Du hast zu viel Geld ausgegeben. Du bist gefrustet und es ist Dir peinlich, weil Du eigentlich Dein Ausgabeverhalten unter Kontrolle haben möchtest. Du hast Dir vorgenommen, gut zu haushalten, aber wieder ist es Dir nicht gelungen. Oftmals gibst Du dann vor lauter Frust noch mehr Geld aus.

Wenn Du aus diesem Teufelskreis herauskommen willst, ist es wichtig, dass Du Dich reflektierst, um herauszufinden, warum Du soviel Geld ausgibst. Was ist der Auslöser? Was sind die Umstände, unter denen Du die Kontrolle über Deine Finanzen verlierst?

Dieser Beitrag soll eine Hilfestellung sein, mit der Du Deinem inneren Saboteur auf die Schliche kommst.

1) Ignorieren der Opportunitätskosten

Deine Ressourcen sind endlich. Egal ob Zeit, Geld oder Gesundheit: Du bist gut beraten, ein weiser Verwalter Deiner Ressourcen zu werden. Wenn Du Geld für einen neuen Fernseher ausgibst, kannst Du es nicht gleichzeitig für eine Urlaubsreise ausgeben. Die „entgangene“ Reise nennt man die Opportunitätskosten. Dein neuer Fernseher kostet Dich Deine Urlaubsreise. Ganz krass sind die Opportunitätskosten, wenn man das Geld für beispielsweise den Fernseher nicht mit der entgangenen Reise vergleicht, sondern mit einer nicht erfolgten Geldanlage: die 2.000 Euro für den Fernseher wären, wenn Du sie an der Börse anlegst, nach 30 Jahren rund 26.500 Euro Wert.

Mehr dazu: Basis-Wissen Börse: Der schnelle 5-Minuten Überblick

Wenn Du Dir beim Geld ausgeben nicht Gedanken über die Opportunitätskosten machst, wirst Du immer zu viel Geld ausgeben. Dein „Ja“ zu einer Sache wird immer mehrere „Neins“ zu anderen Dingen zur Folge haben. Überlege Dir beim Geld ausgeben, welche „Neins“ Dein Kauf zur Folge hätte – möglicherweise ist der Kauf plötzlich nicht mehr so wichtig.

2) Leben im Hier und Jetzt

Eng verknüpft mit dem Ignorieren der Opportunitätskosten ist das Leben im Hier und Jetzt. Grundsätzlich ist es eine sehr positive Eigenschaft, im Hier und Jetzt leben zu können – meine Frau hat diese Eigenschaft, und ich bewundere Sie dafür. Geht es aber um Geldfragen, ist diese Lebenseinstellung eher hinderlich. Lebst Du beim Geldausgeben im Hier und Jetzt, dann machst Du Dir wenig Gedanken über die Opportunitätskosten. Das schöne Gefühl eines Kaufs in der Gegenwart gewichtest Du deutlich höher als das schöne Gefühl eines Kaufs in der Zukunft. Ein Beispiel: Dein Zukunfts-Ich will ein Haus kaufen, aber Dein Heute-Ich will eine luxuriöse Reise in die Karibik. Je mehr Du Deine langfristigen Interessen zugunsten der sofortigen Befriedigung Deiner Bedürfnisse zurückstellst, desto mehr neigst Du dazu, zu viel Geld auszugeben. Wenn Du Deine Finanzen in den Griff bekommen willst, musst Du eine entscheidende Eigenschaft wie einen Muskel trainieren: Nein sagen zur Sofortbefriedigung! Dein Zukunfts-Ich wird es Dir danken.

3) Haltung gegenüber Geld

Was bedeutet Geld und Konsum für Dich ? Unser Umgang mit Geld ist von unseren Werten geprägt. Unsere Werte bilden wir schon in jungen Jahren. Wir beobachten die Welt um uns herum, und ziehen unsere Schlüsse. Daraus entstehen sehr tiefsitzende Überzeugungen.
Wenn Du damit kämpfst, zu viel Geld auszugeben, kann es daran liegen, dass Du Deinen Selbstwert mit Konsum verknüpfst. Du vergleichst Dich gerne mit anderen. Schöne Kleider, ein luxuriöses Auto oder ein exotischer Urlaub werten Dein Selbstbild auf. Fühlst Du Dich minderwertig, hilft es Dir, etwas Neues zu kaufen. Keine Sorge, Du bist nicht allein. So wie Dir geht es sehr vielen. Letztendlich basiert unsere Konsumgesellschaft genau darauf und nutzt die Schwäche dieser fehlerhaften Überzeugung aus.

Die Wahrheit ist, dass Geld, oder der Mangel an Geld, nicht darüber entscheiden, wer Du bist. Dein Wert als Person hat nichts damit zu tun, wieviel Geld Du hast.

Das Gute ist: fehlerhaften Überzeugungen lassen sich ändern. Nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt. Das ist ein Lernprozess, der Zeit braucht . Wenn Du dann an dem Punkt angelangt bist, wo Geld nicht mehr länger mit Deinem Selbstwert verbunden ist, hast Du die mentale Blockade aus dem Weg geräumt, die Dich davon abgehalten hat, weise mit Deinem Geld umzugehen.

4) Besondere Anlässe

Oft lassen wir uns dazu verleiten, für besondere Anlässe zu viel Geld auszugeben. Weihnachtsgeschenke für die Familie oder das Geburtstagsgeschenk für die beste Freundin. Diese Anlässe hebeln oft auf sonderbare Weise unsere Finanz-Werte aus. Vielleicht denkst Du, dass Freundschaft wichtiger als Geld ist, und deshalb Geld keine Rolle spielen sollte, wenn es an die Auswahl von Geschenken geht. Das ist grundsätzlich eine noble Haltung. Trotzdem darfst Du Dich zu Gunsten von Freundschaften und Beziehungen nicht finanziell ruinieren. Du kannst dieses Problem lösen, indem Du zu Beginn des Jahres eine großzügige Schätzung der zu erwartenden Schenkungs-Anlässe machst. Diese Summe teilst Du durch 12 und zahlst die monatliche Summe auf ein Geschenke-Sparkonto ein.
Noch ein Gedankenanstoß: in unserer heutigen schnelllebigen Zeit ist die Ressource „Zeit“ oft noch wertvoller als die Ressource „Geld“. Überlege Dir, wie Du Deinen Liebsten „Zeit“ schenken kannst und Ihnen damit ausdrücken kannst, wie wertvoll sie Dir sind.

5) Plastikgeld

Plastikgeld verleitet uns dazu, mehr Geld auszugeben als wir wollen.

In einem Artikel auf Spectrum, dem Magazin des Massachusetts Institute of Technology (MIT), beschreibt Prof. Drazen Prelec wie unser Ausgabeverhalten von einer Serie von innerlichen Verhaltensregeln geprägt ist, z.B. „Ich fahre nur in einem Notfall Taxi“ oder „Ich kaufe niemals teure Feinschmecker-Lebensmittel“. Diese Regeln dienen dazu, uns vor finanziellen Fehlern zu bewahren. Wenn ich jetzt mal richtig schlemmen will und teuren Käse kaufe, fühle ich ein gewisses Maß an Schuld, da ich eine meiner Geldregeln gebrochen habe. Meine Freude über diesen Käsekauf ist also etwas eingetrübt.

Dies ist ein völlig natürlicher und auch wichtiger Vorgang: das Bezahlen trübt meine Kauffreude. Dieses negative Gefühl des Bezahlens sorgt dafür, dass ich mit meinem Ausgabeverhalten nicht über Bord gehe.

Bezahlt man nun mit Plastikgeld anstatt mit Bargeld, kann man sich leicht selbst überlisten. Der Trennungsschmerz, den ich erlebe, wenn ich hart verdiente Geldscheine auf den Tresen lege, bleibt aus, wenn ich mit meiner EC-Karte bezahle. Noch extremer ist diese Trennung von Kauffreude und Bezahlschmerz, wenn ich mit Kreditkarte bezahle. Hier liegen zwischen Kauf und Zahlung mehrere Wochen – oftmals weiß man gar nicht mehr so genau, für was man gerade bezahlen muss.

Willst Du Dein Ausgabeverhalten verbessern, könntest Du Deine Geldregeln überprüfen, und nur noch mit Bargeld bezahlen (zumindest in den Bereichen, in denen Du gerne zu viel ausgibst).

Tipp für Geizkragen: wenn Dir, so wie mir, das Geldausgeben eher schwerfällt (solche Leute gibt es tatsächlich auch), dann probiere mal folgendes: bezahle Dinge, die Du genießen willst, vorab. Somit hast Du genug Zeit den „Trennungsschmerz“ zu verdauen, um nachher den Kauf umso mehr zu genießen. Mit geht es oft so beim Thema Urlaub oder beim Feiern.

6) Der „Sch*** drauf“-Effekt

Der Sch*** drauf-Effekt ist ein fieser Geselle. Jeder kennt das: man macht gute Vorsätze, wie zum Beispiel eine Diet. Am Anfang klappt es gut, doch irgendwann kommt der Punkt der Schwäche. Man wird schwach und „sündigt“. Man gönnt sich also das eine Stück leckere Schokolade. Dieses Stück Schokolade wäre an sich gar nicht so tragisch, gäbe es nicht den Sch*** drauf-Effekt: der eine Moment der Schwäche verleitet einen zu einem folgenschweren Gedankengang und bewirkt einen Schneeball-Effekt: „…jetzt ist eh alles egal, jetzt kann ich auch die ganze Tafel Schokolade essen. Wenn schon, denn schon.“. Kleine Missetaten eskalieren in einen Totalzusammenbruch der Selbstkontrolle.
Genauso geht es auch vielen, die diszipliniert mit ihrem Geld umgehen wollen. Du hast beim Shoppen mehr ausgegeben als Du geplant hast. Du hast ein schlechtes Gewissen deshalb. Jetzt sagst Du „Sch*** drauf“, jetzt gehe ich noch essen, um den Tag so richtig auszukosten.

Auch diese Verhaltensweise ist ziemlich verbreitet, und wird noch verstärkt durch den Plastikgeld-Effekt.

7) Fehlende Willenskraft

Unter Willenskraft versteht man eine psychische Energie, die notwendig ist, um Unlustgefühle, Ablenkungen oder andere Hindernisse auf dem Weg zur Zielerreichung zu überwinden. Mit Willenskraft erlangt man Kontrolle über impulsgesteuertes Verhalten. Willenskraft ist also eine wichtige Ressource, um Ziele zu erreichen. Ist Dein „Willenskraft-Tank“ leer, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Dich spontane Emotionen wie Verlangen oder Lust dazu verleiten, Geld auszugeben. Die Art und Weise wie die Warendisplays in Läden oder Web-Sites gestaltet sind ist eine Wissenschaft für sich und zielt einzig und allein darauf ab, Deine Emotionen zu kitzeln in der Hoffnung, dass Dein „Willenskraft-Tank“ nicht voll genug ist um dem Ruf der Konsum-Sirenen zu widerstehen.

8) Therapie-Shoppen

Wer kennt es nicht: manchmal ist das Leben so furchtbar, dass nur noch Shoppen hilft. In Film und Fernsehen wird diese Thematik immer wieder aufgegriffen. Selbst ich, ein ausgewiesener schwäbischer Geizkragen, habe mir ein Mountain Bike gekauft, als mich meine erste Freundin verlassen hat. Sind wir traurig, scheint uns Shoppen dabei zu helfen uns wieder besser zu fühlen.

Eine Studie amerikanischer Psychologen hat das Therapieshoppen unter die Lupe genommen. Probanden wurden mit neutralen bzw. traurigen Videoclips in den gewünschten Gemütszustand (=neutral bzw. traurig) versetzt. Als nächstes musste ein Teil der Probanden einen ich-bezogenen Aufsatz über den gezeigten Video-Clip schreiben. Zum Schluss wurde abgefragt, wieviel die Probanden bereit wären, für einen bestimmten Artikel zu bezahlen.

Das Ergebnis der Studie finde ich erstaunlich. Die auf Traurigkeit gepolten Teilnehmer, die zusätzlich einen ich-bezogenen Aufsatz geschrieben haben, waren bereit, am meisten Geld auszugeben. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Traurigkeit und unserem Ausgabeverhalten. Viel bedeutender ist aber der Fokus unserer Aufmerksamkeit. Traurigkeit, verbunden mit einer starken Ich-Bezogenheit, triggert eine hohe Bereitschaft viel Geld auszugeben. Umgekehrt hat Traurigkeit ohne Ich-Bezogenheit keine nennenswerten Auswirkungen auf unsere Bereitschaft, Geld auszugeben.

Im Fazit bedeutet das: wenn du traurig bist, solltest Du versuchen, nicht in Deinen Gedanken um Dich selbst zu kreisen. Richte Deine Aufmerksamkeit auf andere(s). Sei dankbar. So brauchst Du kein Therapie-Shoppen. Dein Geldbeutel und Deine Laune werden es Dir danken.

 9) Shopping-Sucht

Kaufsucht ist ein reales Problem – vergleichbar mit Alkoholismus. Laut Schätzungen leiden in Deutschland rund 5 bis 8 % der Bevölkerung an Kaufsucht. Kaufsüchtige kaufen alles, was sie finden können und enden in der Regel in erheblichen finanziellen und sozialen Schwierigkeiten.

Ähnlich wie bei Alkoholsucht werden Selbsthilfegruppen empfohlen. Verhaltenstherapie kann helfen, besser mit der Sucht umzugehen. Wichtig ist, sich Hilfe zu holen.

Selbst wenn es sich bei Dir (noch) nicht um eine ausgewachsene Sucht handelt, gibt es Dinge, die Du tun kannst, um nicht mehr Kaufattacken anheim zu fallen. So kannst Du beispielsweise Tagebuch führen. Dies hilft dir dabei, die Trigger für die Kaufattacken herauszufinden: wie habe ich mich gefühlt, was waren meine Gedanken als ich den Drang zu kaufen verspürt habe? Wollte ich mich ablenken? Hatte ich Langeweile oder war ich auf der Flucht vor Problemen oder unangenehmen Gedanken? Wahrscheinlich wirst Du ein Muster erkennen. Jetzt sind kreative Ideen gefragt: bereite Dich auf die nächste „Gefahrenlage“ vor, indem Du Dir im Voraus Alternativbeschäftigungen überlegst. hast Du beispielsweise nach einem frustigen Arbeitstag den Hang, Dein Geld beim Online-Shopping rauszuhauen, dann könntest Du Dir statt dessen vornehmen, spazieren zu gehen. Noch besser klappt das, wenn man einen Freund oder Freundin mit ins Boot nimmt. Lege Dir einen Plan zurecht, dann schaffst Du es zukünftig solche Klippen zu umschiffen.

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