Du bist bereit, mit Deinem ersten Budget durchzustarten. Damit das ohne Probleme klappt, findest Du hier 5 praktische Schritte, wie Du am besten vorgehst…

Vorbereitung: Unterlagen sammeln, Wein kühl stellen

Als Vorbereitung sammelst Du alle Dokumente, die irgendwie mit Ein- oder Ausgaben zu tun haben. Dazu gehören z.B.:

  • Gehaltsabrechnungen
  • Nebenkosten wie Strom, Wasser, Telefon
  • GEZ
  • Versicherungen

Am besten ist es, eine Übersicht mit Betrag und Fälligkeitstermin anzufertigen. Das kannst Du ganz herkömmlich auf einem Zettel oder in einem Notizbuch erledigen, oder Du nutzt eine Excel Datei.

Deine Übersicht erleichtert Dir in der Zukunft das Erstellen Deines Monatsbudgets ungemein.

Stelle Dir einen Wein kühl, besorge Snacks und mache aus der Budgetplanung ein Date mit Deinem Partner. Ein Budget erfordert nämlich unbedingt Teamarbeit und Spaß machen kann es durchaus auch.

Wusstest Du, dass der Hauptgrund für Ehescheidungen Streit über Geld ist? Oft wissen Ehepartner gar nicht, wie sie über Geld reden können. Normalerweise sind zwei Partner in den meisten Dingen des Lebens grundverschieden. Diese Unter­schiedlich­keit erschwert es oft, in Kommunikation zu bleiben – und das schließt das Thema Finanzen mit ein.

In jeder Ehe gibt es eine Person, die eher ein „Zahlen-Fuchs“ ist, und eine Person, die eher ein „Frei-Geist“ ist. Der Zahlen-Fuchs hat Spaß an Zahlen, sie vermitteln ihm das Gefühl die Kontrolle zu haben. Diese Person ist der Ansicht, gut für seine Familie zu sorgen.

Der Frei-Geist hingegen fühlt sich dadurch gar nicht versorgt, sondern vielmehr kontrolliert. Zahlen und Budgets sind Reizworte für diese Person.

Aber weißt Du was? Weder der Freigeist noch der Zahlenfuchs hat Recht oder Unrecht. Ihr seid ein Team. Ihr braucht einen Plan, aber ihr müsst auch euer Leben genießen. Ihr sollt sparen und in eure Zukunft investieren, aber ihr sollt auch Geld ausgeben.

Wenn ihr sehen könnt, wie ihr euch in eurer Unterschiedlichkeit ergänzen könnt, dann wird ein Schuh draus. Dann zieht ihr an einem Strang und könnt zusammen­arbeiten.

Genau dazu braucht es das Finanz-Date. Sprecht über euer Geld und eure Pläne. Der Zahlenfuchs kann ruhig ein Budget vorbereiten, aber der Freigeist soll auf jeden Fall auch zum finalen Produkt beitragen! Am Ende soll es euer gemeinsames Budget sein.

Sinnvoll ist, sich die Budget-Dates als wiederkehrenden Termin in den gemeinsamen Kalender einzutragen. So vergisst man nicht, die entsprechende Zeit einzuplanen.

 

Erster Schritt: Budget-Kategorien festlegen

Am Anfang empfiehlt es sich, nicht zu viele Kategorien zu haben. Das erleichtert die Umsetzung ungemein. Später, wenn Dir das Budgetieren in Fleisch und Blut übergegangen ist, kannst Du Deine Kategorien noch verfeinern.

Hier ein Vorschlag für Kategorien:

  • Nahrungsmittel, Getränke, Haushaltsartikel, Kosmetik
  • Miete & Nebenkosten
  • Mobilität (Auto, Bahn, etc.)
  • Klamotten
  • Geben/Verschenken
  • Kinderbedarf
  • Hobby & Garten
  • Investieren / Sparen / Schulden abzahlen
  • Versicherungen

Schreibe mindestens einen Monat lang alle Ausgaben auf. Denke nicht groß darüber nach, wofür Du Dein Geld ausgibst, sondern schreibe einfach nur alles auf, sortiert nach den verschiedenen Budget-Kategorien. Möglicherweise bist du allein durch das Aufschreiben schon disziplinierter im Ausgeben. Dieser Effekt kann oft beobachtet werden, sobald wir uns unsere Ausgaben bewusst machen.

Am Ende des Monats ist Zeit für den Kassensturz. Berechne die Summe für jede Ausgaben-Kategorie. Du wirst überrascht sein, wo Dein Geld überall hingewandert ist.

Nun kannst Du Dein Ausgabeverhalten bewerten. Welche Kategorien haben übertrieben viel Geld geschluckt? Welche Kategorien sind zu kurz gekommen? Jetzt heißt es: in sich zu gehen und Ziele überdenken. Für welche Dinge möchte ich wie viel Geld ausgeben? Was ist mit wirklich (langfristig) wichtig?

Als Ehepaar macht ihr das zusammen. Sprecht über eure Empfindungen zu den Beträgen der einzelnen Kategorien. Es ist möglich, dass ihr die Höhe der Ausgaben in den einzelnen Kategorien unterschiedlich bewertet. In diesem Fall gilt es gute Kompromisse zu finden, mit denen Du und Dein Partner leben können.

 

Zweiter Schritt: Einkünfte notieren

Der nächste Schritt ist, dass Du alle erwarteten Einkünfte des kommenden Monats notierst. Das ist Dein Finanz-Rahmen. Von Anfang an gibt das Einkommen den Rahmen für Dein Budget vor. Die Grenze sozusagen. Mehr Ausgeben als Einnehmen „is nich“. Ab sofort. Nie wieder.

Zu den Einkünften gehört das Gehalt, das Kindergeld, Rentenzahlungen und sonstige Zahlungseingänge.

Wenn Du selbstständig bist, kann es unter Umständen schwer sein, das Einkommen des nächsten Monats vorauszusehen. Orientiere Dich in diesem Fall an einem Deiner schwachen Monate. Du gehst beim Einkommen also tendenziell von Deinem Worst Case aus.

Dritter Schritt: Jedem Euro einen Namen geben

Jeder Euro erhält einen Namen. Jeder Euro wird im Budget verplant, so dass kein einziger Euro unbenannt, sprich, übrig bleibt.

Gehe in der Reihenfolge der Wichtigkeit der Kategorien vor:

  • Es geht los mit Geben und Investieren. Geben erzeugt in Dir das Gefühl der Dankbarkeit und des Überflusses. Lege einen bestimmten Betrag fest, den Du im kommenden Monat für einen guten Zweck geben möchtest.
  • Plane eine Summe ein, die für Deine Zukunft und für Deine Träume arbeitet. Dies kann zu Beginn einfach ein Betrag sein, den Du aufs Festgeldkonto überweist. Später lernst Du, wie Du auch gewinnbringend investieren kannst.
  • Danach kommen alle Ausgaben, die es fürs Dach überm Kopf braucht. Miete, Nebenkosten, GEZ, Darlehenstilgung.

Tipp: Rechne aus, was Du im letzten Jahr durchschnittlich an Nebenkosten pro Monat ausgegeben hast. Diesen Betrag plus 10% überweist Du per Dauerauftrag aufs Sparkonto. So haut Dich keine Nebenkostenabrechnung mehr vom Hocker.

  • Als nächstes kommt der volle Bauch, die Versicherungen und die Mobilität: Lebensmittel, Getränke, Auto, Bus, Bahn.
    Auch hier gilt: überweise einen monatlichen Betrag per Dauerauftrag aufs Sparkonto für Kfz-Steuer, Kfz-Versicherung, und Wartungskosten. Ein „Werkstatt-Polster“ lässt einen wesentlich ruhiger schlafen!
  • Wenn Du zusätzliche Schulden hast, sind jetzt sämtliche Raten an der Reihe. Zahle nicht nur den kleinsten möglichen Tilgungsbetrag, sondern versuche, so schnell wie möglich Deine Schulden abzuzahlen!

Somit sind nun alle „Must-Haves“ abgedeckt.

Den restlichen zur Verfügung stehenden Betrag darfst Du jetzt nach Belieben aufteilen. Auch Spaß und Deine Wünsche und Ziele sollten nicht zu kurz kommen.

Wichtig ist, dass jeder Euro einen Namen bekommt. Am Ende, wenn alle Kategorien befüllt sind, darf kein Euro mehr übrigbleiben.

Ein Tipp fürs „Nebenkosten-Sparen“: am besten geeignet hierfür sind Girokonten mit (virtuellen) Unterkonten. Du kannst mehrere Unterkonten einrichten, z.B. „Auto“, „Urlaub“, „Notgroschen“, „Versicherungen“, etc. und Deine Daueraufträge auf die jeweiligen Unterkonten dirigieren. Ich habe das aktuell noch nicht ausprobiert, werde aber in Kürze ein Konto bei N24 zu Testzwecken eröffnen. Die niederländische Bank bunq.com sieht hier auch sehr toll aus, allerdings sind mir hier die Kontenführungsgebühren zu hoch. Sobald ich die N24 getestet habe, erfährst Du es hier!

Für die Selbstständigen: Fange mit den “Must-Haves“ an. Idealerweise reicht Dein Worst-Case-Einkommen (s. Punkt 2) für alle mindestnotwendigen Kosten aus. Nummeriere die übriggebliebenen Budgetposten nach Priorität. Wenn Du mehr verdienst als Dein Worst-Case, kannst Du Schritt für Schritt Deine Prioritäten abarbeiten.

Vierter Schritt: Praktische Umsetzung

Jetzt kommt der wichtigste Schritt: die praktische Anwendung.

Damit das Budget funktioniert, ist es erforderlich, jede (ja, jede) Ausgabe zu notieren. Mach es Dir zur Gewohnheit, an der Kasse nach dem Kassenzettel zu fragen. Der einfache Merkspruch “Geld raus – Beleg rein” wirkt Wunder. Immer wenn Geld Deinen Geldbeutel verlässt (egal ob per Karte oder Cash), dann muss im Gegenzug ein Beleg reinwandern. Wenn Du nach Hause kommst, trägst Du direkt Deine Ausgaben in die vorbereitete Ausgaben-Liste ein.

Ich persönlich bevorzuge eine ausgedruckte Liste. Hier kann ich alles ruck zuck eintragen und ggf. Bemerkungen dazuschreiben.

Manche arbeiten aber gerne digital. Das ist eine Frage der persönlichen Vorliebe. Ich mag die kostenlose App Finanzblick recht gerne. Man kann seine Girokonten einbinden. Die App ordnet die Ausgaben dank künstlicher Intelligenz automatisch den richtigen Kategorien zu.

Allerdings hatten wir damals, als wir die App ausprobiert hatten, zu viele Kategorien. Deshalb mussten wir oft manuelle Aufteilungs-Buchungen machen. Das war dann einfach zu mühsam. Wir sind deshalb reumütig zurück zu unserer Ausgabenliste in Papierform zurückgekehrt. Letztendlich muss man das für sich selbst rausfinden – am besten verschiedene Varianten ausprobieren.

Profi-Tipp aus jahrelanger Budget-Erfahrung: nicht zu lange warten, mit dem Eintragen der Ausgaben. Sonst wird es ganz schnell zu einem Riesen-Berg, den man dann aus Bequemlichkeit vor sich herschiebt.

Fünfter Schritt: Auswertung des Budgets

Jetzt schreiben wir also fleißig alle Ausgaben auf. Dies allein ist natürlich noch keine Garantie, dass wir unser gesetztes Finanz-Ziel auch erreichen.

Deshalb hat es sich bewährt, zur Mitte des Monats bereits die einzelnen Kategorien zusammen zu rechnen. So kann man dann sehen, in welcher Kategorie noch Luft ist, und wo schon alles aufgebraucht ist. Natürlich kannst Du jetzt nicht benötigte Beträge von einer Kategorie zu einer anderen verschieben.

Beispiel: Du hast mit 100 Euro für Kinderkleider gerechnet. Dank Kleiderflohmarkt brauchst Du jetzt aber nur 50 Euro für diesen Monat. Somit kannst Du die „freien“ 50 Euro in die Kategorie in die Kategorie Mobilität verschieben, da dort eine nicht geplante Fahrt eine zusätzliche Tankfüllung nötig gemacht hat.

Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg

Auch diesen Schritt solltest Du gemeinsam mit Deinem Partner gehen. Aus eigener Erfahrung kann ich nämlich berichten, dass es herzlich wenig bringt, wenn ich beschließe, in welchen Kategorien nichts mehr ausgegeben werden darf. Ohne mit meiner Frau darüber zu sprechen weiß sie davon nämlich erstmal nichts. Wenn ich ihr das Ergebnis einfach nur mitteile, kann es passieren, dass sie meine Pläne entweder boykottiert oder für nicht so wichtig hält. Dies birgt dann natürlich großes Konflikt-Potenzial (dreimal dürft ihr raten, wer bei uns der Zahlenfuchs und wer der Freigeist ist…)

Nur wenn man die Finanz-Entscheidungen gemeinsam trifft, hat die Entscheidung die notwendige Verbindlichkeit. So schafft man es, tatsächlich an einem Strang zu ziehen.

Was tun, wenn es nicht klappt?

Keine Sorge. Du bist nichts Besonderes, wenn es nicht auf Anhieb funktioniert. Mit einem Budget zu arbeiten ist etwas, das man erlernen muss. Auf diesem Weg gibt es Rückschläge. Wichtig ist, dass Du nicht aufgibst. Wenn es im vergangenen Monat nicht geklappt hat, wäre es fatal, wenn Du beschließt, dass ein Budget zu kompliziert für Dich sei. Nein – jeder kann das lernen. Hat es im letzten Monat nicht funktioniert, machst Du im neuen Monat einfach einen neuen Start.

Old-School Tipp für Hardcore-Überzieher:

Wenn Du es einfach nicht schaffst, die geplanten Teilbudgets einzuhalten, kann es sein, dass Du zu ehrgeizig geplant hast. In dem Fall musst Du deine Planung im nächsten Monat anpassen.

Oft liegt es aber einfach an mangelnder Disziplin.

In diesem Fall nutzt man die Old-School Methode, die eigentlich auch die beste ist: bewährt für harte Nüsse hat sich das Umschläge-System.

Am Anfang des Monats holst Du für alle Kategorien, in denen Du gerne überziehst, den Budgetbetrag in bar vom Konto (am besten in möglichst kleinen Scheinen). Jede Kategorie bekommt einen Umschlag, in den der jeweilige Betrag in Cash gesteckt wird. Ab jetzt wird nur noch bar bezahlt. Gehst Du also in den Lidl zum Essen einkaufen, hast Du den Umschlag mit „Essen“ dabei.

Lässt es sich einmal nicht vermeiden mit Karte zu zahlen, dann reduzierst Du später das Geld im Umschlag um den entsprechenden Betrag.

Jetzt kommt der Geheimtrick: „Wenn leer, dann leer!“

Warum diese Methode so gut funktioniert? Ganz einfach: wenn Du mit Karte bezahlst, nimmt das Dein „Geld-Gehirn“ gar nicht richtig wahr. Wenn Du dagegen die hartverdienten Scheine auf den Tresen knallst, dann erzeugt das einen richtigen Verlust-Schmerz. Mit dieser Methode wird Geld-Ausgeben zu einer bewussten Handlung.

Für uns brachte eigentlich erst diese Methode den wirklichen Durchbruch. Zugegeben, es ist etwas mühsam manchmal. Veränderung ist durchaus unbequem. Wir schaffen es aber, weil wir uns immer wieder klar machen, welchen Gewinn wir von der momentanen Unbequemlichkeit haben.

Seither schaffen wir es, weniger Geld auszugeben als wir einnehmen. Wir schaffen es, unsere Reserven aufzufüllen. Wir schaffen es, in unsere Zukunft zu investieren. Du schaffst das auch!

Wenn Du weißt, dass Du für eine Autoreparatur, eine kaputte Waschmaschine oder eine Nebenkostennachzahlung gerüstet bist, schläfst Du nachts deutlich besser. Versprochen!

Zur Erinnerung: kurze Aufzählung der Budget-Schritte

  1. Unterlagen sammeln, Notizen machen
  2. Kategorien festlegen, 1 Monat Ausgaben notieren
  3. Einkünfte ermitteln
  4. Budget erstellen, Daueraufträge für NK-Sparen anlegen
  5. Umsetzen: Ausgabenliste führen
  6. Auswerten: zur Halbzeit & am Ende des Monats
  7. Ausprobieren, Fehler machen, Weitermachen

Jetzt heißt es: Loslegen! Setze das Gelernte um in die Praxis, und sieh, wie Du Schritt für Schritt die Kontrolle über Deine Finanzen zurückgewinnst.

Lass mich wissen, welche Erfahrungen Du mit dem Budgetieren machst – entweder über das Kontaktformular oder als Kommentar unter dem Artikel.

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