Pennystocks – Risiko oder Chance für Dein Depot in 2021?

Hast Du gute Vorsätze und Ziele für 2021 gefasst? Nein? Ich auch nicht.

Nichtsdestotrotz bietet sich der Jahreswechsel an, sich einen Plan fürs kommende Jahr zurecht zu legen, oder auch eine neue Strategie für bereits bekannte Herausforderungen zu entwickeln.

Zeit, Deine Anlagestrategie zu überprüfen: Passt sie noch zu Dir?

Im Artikel Basis-Wissen Börse werden die gängigsten Möglichkeiten aufgezeigt, wie Du in Aktien investieren kannst. Hier nochmal eine kurze Wiederholung:

ETF:                       Der Obstsalat unter den Aktien. Von allem ein bisschen dabei. Ideal für Menschen, die zwar an der Börse investieren möchten, aber doch relativ risikoscheu sind. Bei einem ETF muss man einmal zu Beginn den richtigen ETF auswählen – danach geht alles mehr oder weniger automatisch. Belohnt wird dies mit einem durchschnittlichen Jahresgewinn von ca. 6 bis 8 Prozent.

Einzelaktie:        Einzelaktien erfordern deutlich mehr Arbeit und Aufmerksamkeit als ETFs, bieten aber auf Kosten eines höheren Risikos auch deutlich höhere Erfolgschancen. Für Einzelaktien muss man ein größeres Interesse für Geldanlage entwickeln als das für eine ETF-Strategie notwendig wäre.

Mehr Rendite mit Einzelaktien als mit ETF?

Als ich anfing, echtes Geld an der Börse zu investieren, habe ich mich an die gängigen Empfehlungen diverser Finanzblogs gehalten und habe 80 Prozent meiner Sparrate in einen MSCI-World ETF und 20% in einen ETF für Emerging Markets gesteckt.  Der Wert meines Depots hat sich ganz nett entwickelt, unter anderem auch dank der Dividendenzahlungen, die der von mir gewählte ETF immer wieder produzierte.

Das Problem: im Börsenspiel hatte ich mit meinen Einzelaktien immer wieder eine deutlich bessere Performance, sprich der jährliche Wertzuwachs war deutlich höher als mit meinen ETFs.

Die ETF-Jünger werden nicht müde, immer wieder zu betonen, dass man mit Einzelaktien auf Dauer niemals besser als der Gesamtmarkt ist. Als Beleg für diese These werden die aktiv gemanagten Aktien-Fonds der großen Fonds-Anbieter als Vergleich herangezogen. Die Fonds mögen zwar immer wieder Phasen mit höheren Jahresgewinnen als passive ETFs haben, aber manchmal eben auch schlechtere Jahre. Dazu kommen die jährlichen Kosten für die Fondsmanager, die die Performance beeinträchtigen. Unterm Strich haben die ETF-Jünger also Recht, wenn sie sagen, dass ETFs der bessere Weg sind.

Geheimtipp Pennystocks?

In meinen diversen Musterdepots bei ariva.de habe ich mit der Zeit beobachtet, dass ich immer wieder sehr große Gewinne mit sehr kleinen Klitschen gemacht habe. Es handelte sich jeweils um kleine Firmen in der Startphase der Unternehmensentwicklung. Die Marktkapitalisierung (Anzahl der Aktien mal Preis) ist sehr gering, die Anzahl der Aktien meistens hoch, und der Kaufpreis der einzelnen Aktie oft im Cent-Bereich.

Diese Art Firmen nennt man „Pennystocks“, oder auch „Small Caps“/”Micro Caps“. Pennystocks, Small Caps und Micro Caps unterscheiden sich zwar per definitionem, dies ist aber in diesem Zusammenhang nicht weiter relevant.

Der entscheidende Faktor ist jedoch, dass große Aktienfonds aus verschiedenen Gründen nicht in diese Kleinst-Kapitalgesellschaften investieren können/wollen/dürfen. Somit agieren Pennystock-Investoren gewissermaßen in einer Marktnische. Bei etablierten Aktien haben die institutionellen Investoren meistens einen Informationsvorsprung, so dass man als Kleinanleger immer erst reagieren kann, wenn es zu spät ist. Man kann zwar trotzdem Gewinne machen, aber nicht so üppig wie bei kleineren Werten. Bei Pennystock aktien hingegen ist es dagegen immer wieder möglich mehrere 100 Prozent Gewinn einzufahren.

Faulige Eier vs. Rohdiamanten

Investiert man in kleine, unbekannte Unternehmen ist das nicht ganz ohne Risiko. Kauft man eine Aktie von Coca-Cola oder Apple, weiß man was man hat und kann nicht viel verkehrt machen. Will man beim nächsten Amazon jedoch von Anfang an dabei sein, muss man bei der Auswahl seiner Pennystock Aktien hingegen genauer hinsehen. Untersucht man die Pennystock-Unternehmen, kann man feststellen, dass sie in zwei unterschiedliche Kategorien einzuteilen sind:

Kategorie 1 – die fauligen Eier

  • Die Unternehmen standen früher bereits wesentlich besser da als heute. Es gab vielleicht mal ein tolles Produkt, dem dann leider kein weiteres tolles Produkt gefolgt ist. In der Folge schreibt das Unternehmen Verluste, und die Aktien verlieren rapide an Wert
  • Möglicherweise gab es in der Vergangenheit auch kriminelle Machenschaften des Managements. In 2020 gab es mit Wirecard ein sehr prominentes Beispiel hierfür in Deutschland. Nachdem der Betrug aufgeflogen ist, sank der Aktienpreis von Wirecard von 100 Euro auf 30 Cent. Der Unternehmenswert ist von vormals 20 Milliarden Euro auf weniger als 60 Millionen Euro gesunken.
  • Durch Kapitalerhöhungen (=neue Aktien) kommt immer wieder frisches Geld ins Unternehmen, an dem sich das Management bereichern kann. Jede Kapitalerhöhung mindert den Wert der bestehenden Aktien (=Verwässerung). Geht das Unternehmen dabei nicht allzu dreist vor, kann sich das Management so über Jahre hinweg auf Kosten der Aktionäre bereichern. Solange irgendwelche Hoffnungen auf goldene Zeiten am Leben gehalten werden können, wird es immer jemand geben, der auf die Täuschung hereinfällt.
  • Ohne einen radikalen Kurswechsel und/oder einem komplett ausgewechselten Management gibt es in der Regel keine Hoffnung auf Besserung.

Kategorie 2 – die Rohdiamanten

  • Kleine Unternehmen mit einer starken Idee: oftmals muss jahrelange Forschungsarbeit geleistet werden, bis ein für die Massenproduktion geeigneter Prototyp bereit ist. In dieser Phase „verbrennt“ das Unternehmen Geld, das mit Kapitalerhöhungen aufgebracht werden muss
  • Patente werden angemeldet, Produktionslinien aufgebaut oder finanzstarke Partner gewonnen.
  • Ein fähiges Management achtet darauf, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Die Gehälter beispielsweise müssen zwar hoch genug sein, um fähige Köpfe im Unternehmen halten zu können, dürfen aber nicht so üppig sein, wie in einem höchst ertragreichen Unternehmen. Oftmals werden gute Mitarbeiter mit Aktien-Optionen belohnt, die sie im Falle des Unternehmenserfolges einlösen dürfen.
  • Die berechtigte Hoffnung der Anteilseigner ist, dass alle Vorbereitungen für den großen Wurf gelingen, und dass irgendwann das große Geld gemacht wird.

Die Kunst ist nun, die fauligen Eier im großen Bogen zu umschiffen, und die Rohdiamanten der Pennystocks aufzustöbern.

Wie finde ich Rohdiamanten?

Bei der Suche nach Pennystock-Rohdiamanten ist es wichtig, die Makrolage zu betrachten: welche Branchen sind gerade im Trend? Wo gibt es großes mediales Interesse? Wo gibt es positiven Einfluss durch die politische Agenda, neue Gesetze oder durch fiskalische Maßnahmen? Wohin gehen gesellschaftliche Tendenzen? All diese Punkte gilt es zu berücksichtigen bei der Auswahl eines fokussierten Suchsektors. In 2020 war beispielsweise der Sektor der erneuerbaren Energien sehr heiß. Hier hat weltweit bei sehr vielen Regierungen ein Umdenken stattgefunden – es wurden massive Förderpakete für die Energiewende geschnürt.
Hat man sich ein solches Suchgebiet abgesteckt, gilt es vielversprechende Unternehmen mit kompetentem Management zu finden. Hat man dann mehrere Unternehmen in der engeren Auswahl, kommt das Fine-Tuning.

Pennystock-Rohdiamanten, wie wir sie suchen, machen in der Regel noch keinen, oder kaum Gewinn. Wichtiger in dieser Unternehmensphase sind die Zukunftsaussichten. Wenn jetzt schon alles perfekt wäre, würde der Einstieg als Aktionär wesentlich teurer werden.

Um die Spreu vom Weizen trennen zu können, habe ich einen kleinen Fragenkatalog zusammengetragen. So kannst Du Dir gezielt ein Bild vom Unternehmen machen.

  • Produkt: wie erfolgversprechend ist die Produkte-Pipeline? Wie viele Patente gibt es (= „Interlectual Property“)? Wie lange wird bereits geforscht? Wie lange dauert es noch bis zur voraussichtlichen Markteinführung? Wie viel Geld wird noch benötigt, um das Produkt fertigzustellen?
  • Produktion: gibt es bereits Partnerschaften mit großen Herstellern? Ist der Aufbau einer eigenen Produktion geplant?
  • Vertrieb: gibt es Kooperationen? Was macht die Konkurrenz? Gibt es ein Lizenz-Modell? Gibt es große Aufträge in der Pipeline? Manchmal findet man Unternehmen, die beispielsweise einen Auftrag in den Büchern haben, die ein Vielfaches des Börsenwerts betragen – einfach weil die breite Öffentlichkeit mangels fehlendem Bekanntheitsgrad noch nicht realisiert hat, was da am entstehen ist.
  • Finanzielle Situation: Wie sehen die Finanzen aus: Verhältnis Eigenkapital zu Fremdkapital, wieviel Cash in der Kasse? Wie lange ist die letzte Kapitalerhöhung her? Wie hoch ist die „cash-burn-rate“ (-> wie hoch sind die Verluste im Verhältnis zum Eigenkapital)? Wie lange reicht das Geld noch, bzw. wann ist die nächste Kapitalerhöhung abzusehen? Wie weit ist das Unternehmen vom Break-Even entfernt?
  • Unternehmensführung: wie vertrauenerweckend und fähig ist die Geschäftsführung? Manchmal wirkt es sehr bremsend auf die Unternehmensentwicklung, wenn noch der ursprüngliche Produkterfinder am Ruder sitzt. Ein begnadeter Ingenieur muss kein guter CEO sein! Wieviel Erfahrung hat der CEO in börsennotierten Unternehmen (LinkedIn hilft!)? Hat der CEO einen guten Ruf? Versteht der CFO etwas von seinem Geschäft? Gibt es jemand, der für die Investor Relations zuständig ist? Wie ist die Unternehmenskommunikation?

Risiko-Management bei Pennystock Aktien

Dass das Investieren in Pennystocks nicht ohne Risiko ist, dürfte Dir hoffentlich bereits klar sein. Morgens aufzustehen ist allerdings auch nicht risikofrei. Die Kunst ist, das Risiko so zu steuern, dass es überschaubar ist.

Was bedeutet das praktisch?

Vorab ein wichtiger Hinweis: investiere nur Geld in Aktien, das Du nicht brauchst. Auch ein Totalverlust darf Deinen Alltag nicht aus dem Trott bringen (okay, zwei bis drei Verlusttränen wären in diesem Fall gestattet). Wenn Du in Deine Altersvorsorge investierst, dann darfst Du Dir als junger Mensch mehr Fehler leisten als jemand im schon fortgeschrittenen Alter.

Idealerweise steckst Du auch nicht Dein ganzes Geld in Pennystocks, und schon gar nicht setzt Du alles auf eine Karte. Es kann nämlich auch passieren, dass Dein Rohdiamant ein Rohrkrepierer wird.

Meine Strategie: ich setze ca 10-20% meines Depotwerts (ich bin jung & risikofreudig) in kleinen Beträgen auf verschiedenste Pennystock-Rohdiamanten. Angenommen ich möchte 10.000 Euro investieren: in diesem Falle suche ich mir 10 Kandidaten und investiere jeweils 1.000 Euro. Meine Risikorechnung beinhaltet verschiedenen Szenarien und sieht stark vereinfacht folgendermaßen aus:

Worst Case: 9x Rohrkrepierer, 1x TenBagger (= +1.000%): im Ergebnis ein Zuwachs von 1.000 Euro/10%

Average Case: 2x Rohrkrepierer, 8x 50% plus, 1x Tenbagger. Ergebnis: 14.000 Euro Zuwachs/140%

Best Case: the sky is the limit. Man darf auch mal träumen…

Wenn es einfach wäre, könnte es jeder

Das Investieren in Pennystocks ist nicht jedermanns Sache, das muss man ganz klar sagen. Man braucht einen langen Atem. Manchmal trifft man genau den richtigen Zeitpunkt, und wenige Tage nach dem Einstieg kommen Hammer-News und man ist ruck-zuck weit im Plus. Meistens jedoch dauert es relativ lange bis sich etwas bewegt.

Solche Kleinunternehmen werden nicht besonders häufig am Markt gehandelt, deshalb haben auch kleine Transaktionen schon große Auswirkungen auf den Kurs. Prozentuale Schwankungen von 50%+ sind eher die Norm als die Ausnahme. Hierbei darf einem nicht der kalte Schweiß ausbrechen. Man muss es sich in seiner mentalen Hängematte bequem machen und chillen. Die Ernte wird erst nach mehreren Jahren eingefahren.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Entscheidung zu verkaufen, wesentlich komplexer ist als die Entscheidung zu kaufen: es ist immer die Frage nach „Spatz in der Hand oder Taube auf dem Dach“. Sichere ich den bereits erreichten Gewinn und verkaufe, oder bleibe ich investiert in der Hoffnung auf weitere Gewinne, verbunden mit dem Risiko den bereits erreichten Gewinn wieder zu verlieren. Keine leichte Angelegenheit.

Praxistipps zum Handeln von Pennystock Aktien

Wenn Du Dich nun für einige Werte entschieden hast, dann gilt es auf Einkaufstour zu gehen. Hierzu ein paar praktische Tipps:

  • Achte auf den Spread: Die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs nennt man Spread. Dieser kann bei unseren Rohdiamanten schnell mall über 50% betragen. Nicht erschrecken, wenn direkt nach Deinem Verkauf Dein Wert 50% im Minus steht: das waren die Auswirkungen des Spreads.
  • Auswahl des besten Handelsplatzes: am besten kaufst Du die Aktie an ihrer Heimatbörse. Dort ist der Spread in der Regel am geringsten. Allerdings hat nicht jeder Broker eine große Auswahl an Auslandsbörsen. Willst du vermehrt in Pennystocks investieren, ist vielleicht ein Depot-Umzug angebracht.
  • Viele risikoscheue Anleger arbeiten mit einem Stop-Loss: die Idee dahinter ist es, für den Fall eines Kurseinbruchs eine automatische Verkaufsorder zu platzieren, um so seinen Verlust zu minimieren. In der Praxis bedeutet das bei volatilen Werten, dass man durch die regelmäßigen Kursschwankungen schnell mal rausgekickt wird und der Zug dann ohne einen abfährt. Deshalb: kein Stop-Loss bei volatilen Aktien (Pennystocks sind volatil!)

Disclaimer: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar! Du bist selber verantwortlich dafür, wie Du Dein Geld anlegst. Investitionen in Aktien sind nicht ohne Risiko, und können auch im Totalverlust enden.

Aber: Verlieren kann man nicht mehr als 100%. Der potenzielle Gewinn hingegen geht gegen unendlich.

Probier es aus – vielleicht ist es der Turbo für Dein Depot in 2021?

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