Im ersten Artikel der Serie hast Du gelernt, wie Du Dich nicht von Deinen Emotionen in die Falle locken lässt. Du weißt, welche Kostenfaktoren Du berücksichtigen musst, wenn Du ein optimales Auto-Budget aufstellen willst.

In diesem Artikel erfährst Du, warum Dich eine Auto-Finanzierung in Teufels Küche bringt.

Auto-Finanzierung: ein weit verbreiteter Fehler

In Deutschland ist es verpönt, alte Autos zu fahren. Deshalb geben wir beträchtliche Summen für einen „ordentlichen“ fahrbaren Untersatz aus. haben wir die Mittel nicht flüssig, wird eben finanziert.

Glaubt man den offiziellen Statistik (Marktstudie 2018 zu Konsum- und Kfz-Finanzierung der GfK), dann haben mehr als zwei Drittel der Fahrzeugbesitzer ihr Auto finanziert, Tendenz steigend.

Warum soll das ein Fehler sein? Wenn es so Viele machen, kann es doch nicht so verkehrt sein. Oder vielleicht doch?

Warum eine Auto-Finanzierung Dummheit ist

Vorab: auch ich habe schonmal ein Auto finanziert. Ein schöner schwarzer VW Passat. Auch ich habe schon alle möglichen finanziellen Fehltritte hinter mir. Es ist keine Schande Fehler zu machen. Idealerweise lernt man durch seine Fehler. Manche schaffen es sogar, durch die Fehler anderer Menschen zu lernen.

Sehen wir uns zu Beginn die Datenlage des durchschnittlichen Neuwagenbesitzers in 2018 an:

  • Laufzeit Kredit: 52 Monate
  • Finanzierungssumme: 18.800 Euro
  • Rate: 375 Euro / Monat (Ann.: 1,7% Zins)

Dazu setzen wir die Daten zum durchschnittlichen Einkommen ins Verhältnis:

  • Nettolohn: 2.008 Euro/Monat

Zusammengefasst: 38 % Prozent Deutschlands Autokäufer lebt also über seinen Verhältnissen und verwendet 18,7% seines Nettoeinkommens für seine Auto-Rate. Jeden Monat ist ein Fünftel des Einkommens allein für die Autofinanzierung weg. Da ist das Auto noch keinen Meter gefahren, und versichert ist es auch noch nicht.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…sich derart für eine Sache verschulden, die extrem schnell an Wert verliert. Das ist eine gaaanz schlechte Idee.

Merke:

Ein Auto ist kein Investment. Dinge, die Geld kaputt machen, die nicht an Wert gewinnen, sind kein Investment. Damit ein Investment ein Investment ist, muss das investierte Geld Kinder kriegen

Enormes Risiko

Das Risiko bei einer Auto-Finanzierung ist enorm. Du hast weder Deine eigene Situation (Krankheit, Scheidung, Arbeitslosigkeit, etc.) unter Kontrolle, noch die Situation Deines Autos. Zwar kann man mit Versicherungen das Gesamtrisiko etwas senken, aber das muss man auch entsprechend löhnen. Eine Ratenschutzversicherung beispielsweise kann je nach Umständen so teuer sein, dass sich die Kreditrate verdoppelt.

Das Hauptproblem ist, dass das Auto deutlich schneller an Wert verliert, als Du den Kredit abzahlen kannst. Wenn Du aus oben genannten Gründen Schwierigkeiten bekommst, die Rate weiter zu zahlen, zieht die Bank Dein Auto ein. De facto ist es ja das Auto der Bank, so lange bis Du es komplett abgezahlt hast. Die Bank wird Dein Auto verkaufen. Da das Auto aber inzwischen einen geringeren Wert als Deine Restschuld hat, bleibt die Summe X übrig. Diese Summe X musst Du bezahlen, ohne Wenn und Aber.

Zinsverluste

In der aktuellen Zeit sind die Zinsen so niedrig, dass man Faktor Zinsen nahezu vernachlässigen kann. Trotzdem muss man sich bewusst machen, dass Zinsen einen finanzierten Kauf erheblich teurer machen können. Bei Finanzierungen arbeitet der Zinseszins-Effekt gegen einen anstatt für einen wie bei einem Investment.

Die Statistik zeigt, dass offensichtlich der sinkende Zins immer mehr Menschen dazu verleitet, sich finanziell mit einer Autofinanzierung zu binden.

Höherer Kaufpreis

Wer finanziert, zahlt mehr. Auch die scheinbar so günstige Null-Prozent-Finanzierung ist gar nicht so günstig, wie sie scheint. Irgendwo müssen die beteiligten Parteien ihr Geld verdienen.

Verkauft Dir ein Händler ein Auto per 0%-Finanzierung, muss er einen Betrag x als Gebühr an den Finanzdienstleister für die Finanzierung abtreten. Da der Autohändler aber auch von etwas leben muss, hat er nicht viel Spielraum (lies: gar keinen) beim Kaufpreis.

Der “letzte Preis”, den der Händler dir bei so einer Finanzierung machen kann, liegt also mindestens um die Summe x für die Finanzierungsprovision höher, als wenn Du bar bezahlen würdest.

Generell gilt: den besten Preis bekommt der, der bar bezahlt.

Und den allerbesten Preis kann Der aushandeln, der gelernt hat, zu verhandeln. Meine Buchempfehlung dazu: Chris Voss – „Kompromisslos verhandeln“ *

Sonderthema Leasing

Das Thema Fahrzeug-Leasing ist ein Unterthema der Finanzierung und verdient einen eigenen Artikel. Unterm Strich kann man zwei Dinge darüber sagen:

  1. Mach es bloß nicht
  2. Das dicke Ende kommt zum Schluss: wenn Du aus der Leasing-Nummer raus willst, lässt Dich der Händler nicht von der Angel: jeder noch so kleine Kratzer oder Fleck muss dazu herhalten, den zukünftig fehlenden Umsatz des Autohauses wettzumachen. Du wirst Dich dumm und dusselig zahlen, um den „übermäßigen“ Wertverlust (hochgradig subjektiv) zu bezahlen. Das steht natürlich in keiner Beispielrechnung

Ich hoffe, Du hast verstanden, warum eine Auto-Finanzierung eine schlechte Idee ist. Stell Dir vor, wie entspannter und sorgenfreier Dein Leben ohne die 375-Euro-Autorate wäre, und was Du mit diesem Geld alles machen könntest.

Du könntest diese Summe für ein neues Auto sparen. So hättest Du nach einem Jahr 4.500 Euro angespart. Für dieses Geld kaufst Du Dir ein gebrauchtes Fahrzeug. Wenn Du weiterhin die gleiche Summe ansparst, kannst Du nach einem weiteren Jahr Dein Fahrzeug für vielleicht 3.800 Euro verkaufen und mit den angesparten zusätzlichen 4.500 Euro bereits ein Auto für 8.300 Euro kaufen. Ganz ohne Schulden. Ohne finanziellen Druck und Geldsorgen. Probiere es aus!

Im nächsten Artikel der Artikelserie zum Autokauf erfährst Du, warum Dich Dein Auto ein Vermögen kosten kann – und was Du dagegen tun kannst.

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