Wenn Du Teil 1 dieser Artikelserie durchgearbeitet hast, weißt Du, was zu tun ist, um Deine Finanzen in den Griff zu bekommen.

Du sagst Deinem Geld, wo es hingehen soll, und hast gelernt, wie Du Dir Geld auf die Seite legen kannst für Deine Wünsche und Ziele. Du hast Deine Ausgaben unter Kontrolle.

Jetzt ist es an der Zeit zu investieren.

Einführung ins Investieren

Wenn für Dich das Thema „Investieren“ Neuland ist, ist dieser Beitrag genau richtig für Dich. Ich werde Dir einen ersten Überblick verschaffen. Im Verlauf des Artikels findest Du dann immer wieder weiterführende Links, wo Du Dein Wissen weiter vertiefen kannst.

Keine Angst – investieren kann jeder lernen.

Was ist Investieren, und warum sollte ich das machen?

Investieren bedeutet, heute auf Konsum zu verzichten, und stattdessen das Geld dorthin zu dirigieren, wo es für mich arbeitet.

Um ein Investment handelt es sich nur dann, wenn die investierten Euros tatsächlich Kinder kriegen. Entweder bringt Dir Dein Investment einen regelmäßigen Zahlungseingang (z.B. eine Photovoltaik-Anlage), oder aber es steigt im Wert, so dass Du es später mit einem deutlichen Gewinn wieder verkaufen kannst.

Laut dieser Definition ist ein neues Auto kein Investment. Für ein Auto ausgegebenes Geld bekommt keine Kinder, sondern reißt noch andere Euros mit sich in den Tod. Ein selbstbewohntes Haus ist gemäß dieser Definition unter Umständen auch kein Investment. Wenn das Haus nicht wie gehofft im Wert steigt, ziehen Dir die Unterhaltskosten das Geld aus der Tasche.

Ein Investment muss für Dich arbeiten. Das Ziel sollte sein, dass Dein Investment irgendwann härter arbeitet, als Du es selbst kannst.

Dein Arbeitslohn ist immer ein Tausch von Zeit gegen Geld – Dein Investment arbeitet aber rund um die Uhr, unabhängig von der Dir zur Verfügung stehenden Zeit.

Wäre es nicht schön, wenn Du die Möglichkeit hättest, mehr zu reisen? Oder wenn ihr in der Kleinkindphase nur noch Teilzeit arbeiten müsstet, um euren Nachwuchs voll und ganz zu genießen?

Was, wenn Du Zeit hättest, dich mit viel Leidenschaft im Ehrenamt zu engagieren? Oder wenn die Pflege eines geliebten Angehörigen keinen Stress bedeutet, weil Du in dieser Phase gar nicht arbeiten gehen musst?

Was, wenn Dein Investment so viel abwerfen würde, dass Du all das, was Du lieber tun würdest, tatsächlich auch tun könntest?

Der Lohn der Mühen

Die wenigsten wissen, dass das keine Utopie ist. Es bedarf eines erstaunlich geringen Einsatzes, um diese finanzielle Freiheit zu erreichen.

Der Faktor Zeit ist beim Investieren noch wichtiger als der Faktor Geld. Wer über 40 Jahre jeden Monat 300 Euro investiert, hat als Rentner fast 1 Million Euro auf dem Konto.

Anlagesumme vs. Anlagezeitraum

Halbiert man den Investitions-Betrag, halbiert sich das Ergebnis. Halbiert man aber die Zeit, bleibt weniger als ein Viertel der ursprünglichen Summe. Dies ist dem Zinse-Zins Effekt geschuldet: je länger Dein Geld für Dich arbeitet, desto fleißiger wird es!

Randbemerkung: Falls Du die angenommene Rendite zu hoch findest: ja, 8% Rendite sind für langfristige Börsensparer sehr gut machbar.

Von Nichts kommt Nichts – Was ist mit dem Risiko?

Uns Deutschen eilt der Ruf voraus, Sparweltmeister zu sein. Trotzdem hat der Durchschnittsdeutsche im internationalen Vergleich ein relativ niedriges Vermögen. 50 Prozent aller Deutschen haben ein Vermögen von weniger als 35.315 Euro (2019), das ist nur Platz 33.

Der Grund: wir Deutschen sind ausgesprochen risikoscheu. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes.

Wenn dies aber bedeutet, dass wir unser Geld auf dem Festgeldkonto anlegen, vielleicht noch einen Bausparvertrag abschließen, und als Höchstes der Gefühle für die Altersvorsorge riestern, dann ist unsere Abneigung gegen Risiko kurzsichtig und nicht besonders clever.

Auch beim Investieren gilt: „von nicht kommt nichts“. Der Grundsatz heißt: Rendite (=das, was Dein Investment abwirft) und Risiko gehören zusammen. Es gibt kein Investment, das hohe Erträge bringt, aber ein kleines Risiko hat. Wenn Dir ein Finanzprodukt angeboten wird, das in seiner Hochglanzbroschüre genau das behauptet, dann ist das unseriös.

Nur: wenn Du Dir beim Investieren die Anlagemöglichkeiten mit dem geringsten Risiko suchst, dann wird Dein Geld leider kaum für Dich arbeiten.

Das Problem mit dem Risiko liegt in der menschlichen Psyche: uns Menschen tut ein Verlust mehr weh als ein entgangener Gewinn.

Wird mir mein Geldbeutel mit 100 Euro gestohlen, dann schmerzt das mehr, als wenn ich erfahre, dass ich hundert Euro geschenkt bekommen hätte, wenn ich zum Anstandsbesuch bei der alten Tante gegangen wäre.

Wir sind also von Natur aus risikoscheu. Dieser Tatsache müssen wir uns bewusst sein, wenn wir investieren wollen. Wer immer das Risiko meiden will, der wird verlieren. Das ist bei Finanzen so, aber auch in jedem anderen Lebensbereich.

Das Gute ist: die Zeit kann das Risiko ausgleichen. Wer beim Investieren langfristig denkt, profitiert von der Chance, die mit dem Risiko Hand in Hand geht.

In was kann und soll man investieren?

Sparschwein und Co

Wer sein Geld im Sparschwein deponiert, nimmt den Wertverlust durch Inflation billigend in Kauf. 100 Euro heute sind nächstes Jahr nur noch 98 Euro wert. Dieses Phänomen ist unter dem Schlagwort “Enteignung der Sparer” bekannt.

Ein Denkfehler, den an dieser Stelle viele Menschen machen: “Wenn mein Erspartes immer weniger wert wird, dann spare ich lieber gar nicht”.

Falsch: Ein Sparguthaben, das nächstes Jahr nur noch 98 Euro wert ist, ist immer noch deutlich mehr als gar kein Sparguthaben. Auch in Nullzins-Zeiten ist es wichtig, vorzusorgen und zu sparen.

Der Vorteil der Sparschwein-Methode: schneller Zugriff aufs Geld. Deshalb auch Mittel der Wahl für den Notgroschen und die eiserne Reserve. Richtig reich wird man so allerdings nicht.

Immobilien & Bausparvertrag

Immobilien werden in Deutschland von vielen als die Investition angesehen.

Bei der selbstbewohnten Immobilie stimmt das nur bedingt. Nur weil etwas teuer ist, wird es noch nicht zu einem Investment. Ein Haus kostet viel Geld, und steigt hin und wieder auch mal im Wert. Allerdings muss man die Anschaffungsnebenkosten, die Unterhaltskosten und die Inflation gegenrechnen. Öfter als man denkt, hat man unterm Strich nach 30 Jahren keinen Gewinn gemacht. Das Standardwerk zur Fragestellung, ob mieten oder kaufen besser ist, kommt von Gerd Kommer. Wenn Du gerade am Überlegen bist: unbedingt lesen. Entweder in Deiner Stadtbibliothek oder direkt hier über Amazon*.

Nicht falsch verstehen: ich bin nicht gegen den Immobilienkauf. Auch ich genieße es, in meinem Eigenheim zu sitzen und meine „Miete” der Bank zu überweisen. Man muss sich nur bewusst sein, dass ein eigenes Haus vor allem aus praktischen und emotionalen Gründen Sinn macht – nicht unbedingt aus finanziellen Gesichtspunkten.

Ein Pluspunkt vom eigenen Haus: ein Darlehen, das abgezahlt werden muss, hilft vor allem den undisziplinierten Zeitgenossen Wohlstand anzuhäufen. Diese Spezies würden ihr Geld nämlich ohne eine Darlehenstilgung eher verjubeln als in lukrativere Anlagen zu investieren.

Anders ist es bei einer vermieteten Immobilie:

Ein Haus, das zum Vermieten da ist, kann eine lukrative Geldanlage sein. Man kann die Erhaltungsaufwendungen und die Zinsen fürs Darlehen mit den Mieteinnahmen verrechnen. Deine Mieter zahlen dann Dein Darlehen ab. Das ist grob die Idee.

Manche haben daraus eine komplette Anlagestrategie entwickelt: sie kaufen viele kleine Wohneinheiten (“Studentenbuden”) und nutzen systematisch den Schuldenhebel, um ihr Vermögen aufzubauen: Es wird möglichst eine 100% oder gar 110 % Finanzierung angestrebt, um so wenig wie möglich Eigenkapital aufwenden zu müssen. Die Objekte werden so ausgewählt, dass die Mieteinnahmen hoch genug sind, um Tilgung, Verwaltungskosten und Rücklagen zu finanzieren.

Zwei interessante Blogs, die diese Strategie beschreiben: https://vermietedichreich.de/ und https://vermietertagebuch.com/

Das ist eine faszinierende Strategie, die aber auch mit deutlichem Risiko behaftet ist. Wenn aus irgendeinem Grund (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Scheidung) Deine Bonität abstürzt, kann die Geschichte schnell zu Ende sein. Nichts für jemand mit schwachen Nerven. Und nichts für jemand mit kleinem Geldbeutel. Diese Strategie könnte ein zusätzliches Investment-Standbein sein, wenn Du bereits ein ansehnliches Vermögen erreicht hast.

Briefmarken, Whiskey, Zigarren und Ü-Eier

Es gibt die schrägsten Dinge, in die man investieren kann. Letztendlich ist alles, was mit der Zeit an Wert gewinnt, eine Überlegung wert.

Die Fragen, die man sich stellen muss, wenn man derart investieren will:

  • Wie schwer wird es sein, Käufer für mein Anlagegut zu finden?
  • Welche Kosten und Mühen muss ich für den Werterhalt kalkulieren (z.B. Oldtimer-Autos)
  • Wer bestimmt den Marktpreis? Zahlt jemand den offiziellen Marktpreis?

Bei solchen Sachinvestitionen ist ein ordentliches Maß an Sachverstand von Nöten. Am besten geeignet, wenn man sowieso ein bestimmtes Thema als Hobby hat. Nur bedingt zu empfehlen, wenn man es lediglich als Geldanlage sieht.

Riestern und betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Riestern und betriebliche Altersvorsorge haben einen großen Vorteil: die Sparraten gehen vom Bruttogehalt weg. Das Geld, das Du verdienst, geht zu 100% in Deine Altersvorsorge. Du musst keine Steuern oder Sozialabgaben vorher abzwacken.

Allerdings hat Riester & Co einen ziemlich großen Nachteil: der Gesetzgeber schreibt vor, dass mindestens das eingezahlte Kapital ausgezahlt werden muss. Wie Du bereits vorher gelernt hast, ist die Rendite eng verheiratet mit dem Risiko. Beschränkt man per Dekret das Risiko durch diese Auszahlungsgarantie, muss das zu Lasten der Rendite gehen.

Bei einer Riester-Anlage wirst Du also niemals die Rendite erzielen, die Du erzielen kannst, wenn Du Dich selbst um Dein Geld kümmerst. Trotz Einzahlungsvorteil durch Bruttobeiträge und Zulagen vom Staat. Wenn Du mehrere Kinder hast, kann eventuell der Nachteil der Rendite durch die recht hohen Zulagen ausgeglichen werden. Dies muss man aber im konkreten Einzelfall überprüfen. Es kann dann Sinn machen, wenn ein Ehepartner nur ein Teilzeitjob hat, und damit nur eine geringe Mindestsparleistung braucht, um die maximalen Zuschüsse zu bekommen.

Merke: Riestern macht nicht reich.

Wenn das nächste Mal jemand versucht, Dir einen bAV- oder Riestervertrag anzudrehen, dann frage unbedingt nach einer schriftlichen Auflistung sämtlicher Kosten. Lass nicht locker, bis Du genau weißt, was an jährlichen Verwaltungskosten, an Abschlussgebühren, etc. anfällt.

Du wirst möglicherweise feststellen, dass Dir der Verkäufer dies gar nicht genau beantworten kn. Meine persönliche Grundregel: Ich kaufe nichts, wo ich nicht weiß, welche Kosten anfallen.

Börse & Aktien

Für viele Menschen ist die Börse das Mittel der (Investment-)Wahl. Man kann bequem vom heimischen Sofa aus investieren, und man kann Aktien auch wesentlich leichter verkaufen als beispielsweise ein Haus.

Investiert man nicht nur in wenige Einzelaktien, sondern stattdessen in breit aufgestellte Index-Fonds (z.B. MSCI World oder S&P500), erzielt man auf lange Sicht Renditen, mit dem man auch mit geringem Einsatz komfortabel über die Jahre ein ansehnliches Vermögen aufbauen kann.

Leider trauen sich viele Deutsche nicht an die Börse. Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamts waren 2018 gerade mal magere 16,2% der Deutschen Aktienbesitzer, Tendenz nur ganz schwach steigend.

Die Gründe, warum die Deutschen die Börse meiden sind vielfältig.

In einem Artikel der Welt von 2019, erklärt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance, dass das Hauptproblem in der menschlichen Psyche läge. Viele nähmen die Risiken eines Börseninvestment falsch wahr. Laut Stotz sehen Privatinvestoren vor allem die negativen Aspekte einer Aktienanlage, aber verlieren die positive Seite aus dem Blick. Mögliche kurzfristige Verluste würden stets wahrgenommen, doch langfristige Gewinne gerieten aus dem Blick. Im Ergebnis ist ein Großteil der Menschen übervorsichtig.

Dazu kommen oft Vorurteile. Viele ordnen das Geschehen an der Börse unter „Zockerei“ oder „Casino“ ein. Das mag tatsächlich auf einen Teilbereich der Börse zutreffen, doch im Kern werden an der Börse seriöse Unternehmensanteile, also Aktien gehandelt.

Für Oma erklärt: Was ist eigentlich eine Aktie

Egal wie die Gründe gelagert sind: die Zurückhaltung gegenüber eines Aktien-Investments kostet den Deutschen ein Vermögen.

Im bereits zitierten Artikel bedauert Martin Weber, Wirtschafts-Professor an der Uni Mannheim, dass die Deutschen, insbesondere die unteren bis mittleren Einkommensgruppen, so übervorsichtig sind:

„Aktien ermöglichen der breiten Bevölkerung, sich am Produktivkapital, also an Unternehmen, auf einfache, kostengünstige Art und Weise zu beteiligen“

Das Vermögen der Anleger wächst im selben Maße wie die Unternehmen, in die sie investiert haben.

Gut zu wissen: Auf lange Sicht (mehrere Jahrzehnte) ist es ziemlich schwer, an der Börse Geld zu verlieren.

Wenn Du also den Kurs Deines Finanzbootes dauerhaft in Richtung Wohlstand ausrichten willst, führt für Dich kein Weg an der Börse vorbei.

Wenn Du Angst hast vor der Börse, liegt das an mangelndem Wissen. Fange an, Dich fürs Thema zu interessieren und Dein Wissen zu erweitern. Wer Neues wagt, bleibt jung und geistig beweglich!

Zum 3. Teil der Artikelserie: Mehr Cash-In: So erhöhst Du Dein Einkommen!

Zusammenfassung

  • Wer nicht mutig ist und investiert, wird nicht reich.
  • Wer mutig ist und Risiko eingeht, wird belohnt.
  • Je langfristiger man beim Investieren denkt, desto größer der Erfolg.
  • Von den verschiedenen Anlagemöglichkeiten ist die Börse die beste.

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