Herrsche über Dein Geld und habe Deine Ausgaben im Griff

Erster Schritt: Dankbarkeit üben.

Oftmals leben wir über unseren finanziellen Verhältnissen, weil wir unzufrieden mit unserer aktuellen Situation sind. Wir gehen der Werbelüge auf den Leim und denken, dass Konsum uns glücklich mache. Dankbarkeit fördert Genügsamkeit. Genügsamkeit bedeutet zufrieden zu sein mit dem, was man hat.

Mach es Dir zur Gewohnheit, dankbar zu sein. So könntest Du beispielsweise jede Mahlzeit zum Anlass nehmen, Dir 5 Dinge zu überlegen, für die Du dankbar bist.

Jedes Mal, wenn Du den Drang verspürst, Geld auszugeben, überlegst Du Dir wieder 5 Dinge, für die Du dankbar bist.

Du wirst ganz schnell feststellen, wie sich Deine Laune hebt, wie Du Dir weniger Sorgen machst, und wie Du in der Folge weniger Konsumdrang verspürst. Übe ein Leben der Genügsamkeit!

Zweiter Schritt: Budget

Dein wichtigstes Tool ist das Budget. Ich weiß, viele kriegen jetzt gleich schon eine akute Würgeattacke. Es gibt wohl eher wenige Menschen, die von sich sagen würden, dass es ihr Hobby sei, mit einem Budget zu arbeiten. Viele Menschen denken, ein Budget sei eine Zwangsjacke – doch in Wahrheit gibt Dir ein Budget die finanzielle Freiheit, nach der Du Dich sehnst.

Fakt ist, dass Du ohne ein Budget niemals in der Lage sein wirst, Deinem Geld zu sagen, was es tun soll. Geld wird die Herrschaft über Dich behalten, und das tun, wozu es gerade Lust hat. Jemand sagte mal über Geld, dass es entweder ein harter Herr oder ein gehorsamer Sklave sei. Wer sein Geld mit harter Hand regiert, dem wird es sich als gehorsamer Sklave erweisen.

Ohne Budget hast Du keinen Überblick, wo Dein Geld hingeht.

Ein Budget ist ein Plan für Dein Geld. In einem guten Budget bekommt jeder Euro einen Namen – d.h. jeder Euro wird verplant. Die notwendigen Ausgaben, die wichtigen Ausgaben, aber auch die Spaß-Ausgaben sind Teil eines Budgets. Ein Vorteil: kein schlechtes Gewissen mehr, wenn man Geld für “Spaß-Dinge” ausgibt.

Lies mehr zum Thema Budget in diesen Artikeln:

Dritter Schritt: Notgroschen ansparen

Früher oder später wirst Du einen finanziellen Notfall erleben. Das Auto geht plötzlich kaputt, die Waschmaschine streikt oder die Zuzahlung beim Zahnarzt für eine Krone wird fällig.

Wenn Du die Kontrolle über Deine Finanzen haben willst, dann musst Du Dich auf solche Notfälle vorbereiten. Es ist keine Frage, OB diese Notfälle eintreten, sondern lediglich WANN sie eintreten.

Nutze also Dein Budget, plane eine monatliche Summe ein, um Dir auf schnellstem Wege einen Notgroschen anzusparen. Als gute Summe hat sich hier ein Tausender bewährt. Die ganz großen Notfälle sind damit noch nicht abgedeckt, aber die kleineren bis mittleren Katastrophen hast Du damit im Griff.

Diese 1.000 Euro stehen als Schutzschild zwischen Murphy’s Law (= was schiefgehen kann, geht schief) und Deinem Geldbeutel. Dieser Schutzschild lässt dich wesentlich ruhiger schlafen.

Interessanterweise lässt sich beobachten, dass diese Notfälle seltener bei Leuten auftreten, die einen Notgroschen haben. Das ist zwar nicht wissenschaftlich bewiesen, aber irgendwie scheinen die Notfälle immer besonders oft bei Menschen aufzutreten, die keine Reserven haben.

Übrigens: Die Autoversicherung im Januar ist kein Notfall. Auch Weihnachten oder der Jahresurlaub zählen nicht zu Notfällen. Für solche Ausgaben ist es clever, vorauszuplanen: mache Dir eine Liste aller großer Ausgaben, die im Laufe des Jahres anfallen werden.

Bei uns sind das:

  • Autoversicherung, Kfz-Steuern, Kundendienst Auto
  • Heizöl und Nachzahlung Wasser/Strom/Müllgebühren
  • Weihnachtsgeschenke
  • Kinderfreizeiten/Schullandheime
  • Kinderklamotten am Ende der Sommerferien

Richte Dir einen Dauerauftrag ein, der am ersten eines Monats jeweils ein Zwölftel des Gesamtbetrags dieser berechenbaren Jahresausgaben auf ein Sparkonto überweist. Wenn Die Rechnungen dann eintrudeln, holst Du das Geld dafür vom Sparkonto. Ich kann Dir sagen: seitdem ich monatlich 200 Euro auf unser Autokonto überweise, ist das Thema Auto-Reparatur für mich völlig stressfrei geworden!

Es gibt inzwischen sogar Banken, die einem dieses “Kategorie-Sparen” einfacher machen, indem sie zu einem Konto verschiedene Unterkonten mit jeweils eigener IBAN anbieten. So bekäme in unserem Fall jede Sparkategorie ihr eigenes Unterkonto und Du behältst immer den Überblick.

Ich teste gerade das kostenlose Konto der norisbank*. Hier kann man wohl auch mehrere Unterkonten eröffnen, wo man dann gut seine Ersparnisse verwalten kann. Ich möchte die Unterkonten nutzen, um beispielsweise für das Auto und für Nebenkosten zu sparen. Einen ähnlichen Service bietet die niederländische Online-Bank Bunq *, allerdings muss man hier die zusätzlich vorhandenen Funktionalitäten mit einer monatlichen Kontogebühr bezahlen. Belohnt wird man aber durch eine hervorragende Konto-App.

Vierter Schritt: Schulden loswerden

Schulden sind Sklaventreiber. Wer Schulden hat, ist Sklave seines Gläubigers. Ein beträchtlicher Teil Deines Einkommens geht für Tilgung und Zinsen drauf.

Wenn Du Herr über Deine Finanzen werden möchtest, dann ist es oberstes Gebot, Deine Schulden so schnell wie möglich loszuwerden.

Wie wirst Du Deine Schulden los?

Der erste Schritt ist der Offensichtlichste: keine neuen Schulden machen. Zerschneide und entsorge Deine Kreditkarten. Du musst Deine Einstellung gegenüber Schulden grundlegend verändern: finde heraus, warum eine Auto-Finanzierung tödlich für Deine Finanzen ist. Freunde Dich mit dem Gedanken an, für Deine nächsten Anschaffungen vorab zu sparen. Triff ein für alle Mal den Entschluss, keine Schulden mehr zu machen. Bei Null ist Schluss.

Als nächsten Schritt musst Du Dich um Deine bestehenden Schulden kümmern. Mach eine Liste, auf der alle Schulden (ausgenommen Immobilien-Schulden**) aufgeführt sind. Trage die Mindest-Tilgungssumme, die Restschuld und den Zinssatz ein.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, wie man vorgehen kann. Das Grundprinzip ist jeweils gleich: trage Deine Schulden nach dem Schneeball-System ab. Hierbei zahlst Du bei allen bis auf einer Schuld nur den monatlichen Mindestbetrag. Alle anderen verfügbaren Mittel werden dazu genutzt, der auserwählten Schuld auf die Pelle zu rücken. Solange bis die erste Schuld getilgt ist.

Dann geht es der zweiten Schuld an den Kragen – jetzt mit den zusätzlichen Mitteln aus der ersten, bereits abgezahlten Schuld. So machst Du es, bis die letzte Schuld bezahlt ist.

Variante 1 ist die rationale Vorgehensweise: hierbei zahlst Du die Schulden mit dem größten Zinssatz zuerst ab. Somit sparst Du Dir unnötige Zinszahlungen.

Variante 2 ist die emotionale Vorgehensweise und hat seinen prominenten Verfechter in David Ramsey: ordne die Schulden von klein nach groß. Fange mit den kleinsten Schulden an, und arbeite Dich in Richtung der letzten und größten Schulden vor.

Diese Variante hat den Vorteil, dass Du schneller Erfolgserlebnisse hast. Da Schulden meistens kein Mathe- sondern ein emotionales Problem sind, braucht es auch beim Lösen des Problems eine emotionale Taktik.

Feiere jede Portion Schulden, die Du hinter Dich gebracht hast (natürlich nicht, indem Du jetzt shoppen gehst oder mega Party machst). Ich schaue mir gerne auf Youtube die Menschen an, die Dave Ramsey’s “Baby-Steps”* hinter sich gebracht haben und voller Stolz in seiner Fernseh-Show ihren “I am debt-free“-Schrei loswerden. Total emotional. Und total motivierend, die eigenen Schulden in Angriff zu nehmen.

„Arbeite nicht mehr für Deine Vergangenheit, sondern für Deine Zukunft!“

Es braucht eine gehörige Portion Disziplin auf diesem Weg, aber es lohnt sich. Wenn Du es geschafft hast, Deine Schulden loszuwerden, arbeitest Du nicht mehr für Deine Vergangenheit, sondern für Deine Zukunft!

**Immobilien-Schulden geht es in einem späteren Schritt an den Kragen

Fünfter Schritt: Eiserne Reserve

Herzlichen Glückwunsch. Du hast Dein Schuldenmonster besiegt. Nun gilt es, eine eiserne Reserve anzulegen. Diese dient den größeren Notfällen im Leben und ist in der Höhe abhängig von Deinen persönlichen Verhältnissen.

Immobilienbesitzer brauchen höhere Reserven als Mieter. Familien brauchen höhere Reserven als Singles.

In Deutschland haben wir das Glück, eine relativ großzügige Unterstützung im Fall von Arbeitslosigkeit zu erhalten – somit ist der Jobverlust in Deutschland ein nicht ganz so großer Notfall wie in anderen Ländern.

Es ist jedoch ratsam, den Jobverlust/Kurzarbeit-Stresstest zu machen: würdest Du mit dem reduzierten Einkommen von 60% (bzw. 67% als Familie) auskommen? Ich finde, man sollte dies im Hinterkopf behalten, wenn man große finanzielle Entscheidungen trifft. So bleibt man flexibel in Notfällen wie Arbeitslosigkeit oder längerer Krankheit.

Die Corona-Krise hat gezeigt, wie schnell sich ein sicher geglaubtes Einkommen reduzieren kann.

Letztendlich musst Du Dir überlegen, was Deine Worst-Cases wären. Wieviel brauchst Du, um ein neues Auto zu kaufen, was könnte eine teure Reparatur am Haus kosten?

Eine Daumenregel ist eine Reserve von 3 bis 6 Monatsgehältern, bzw. Monatsausgaben.

Wichtig bei der eisernen Reserve ist, dass Du sie so anlegst, dass Du jederzeit Zugriff auf sie hast. Auch wenn Du dadurch Rendite verlierst. Der Notfall fragt nicht danach, ob Deine Anlage gerade günstig steht…

Sechster Schritt: Immobilie abzahlen

Prima. Du hast Dich ans Budget führen gewöhnt, Du hast einen Notgroschen und eine eiserne Reserve angespart. Darüber hinaus hast Du Deine sämtlichen Konsumschulden abbezahlt.

Jetzt ist es Zeit, an die Immobilie zu denken: an die zukünftige Immobilie, oder an die bereits gekaufte Immobilie.

Wenn Du bereits ein Haus besitzt, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem Du Dir überlegst, was Du mit den frei gewordenen Mitteln aus der sonstigen Schuldentilgung anstellen willst. Hier gibt es keine allgemeingültige Antwort – aber vom Grundsatz her zwei Möglichkeiten (die auch kombiniert werden können):

Möglichkeit 1 minimiert das Risiko, dauert etwas länger. Zugrunde liegt die korrekte Annahme, dass man so schnell wie möglich das Risiko einer schuldenbelasteten Immobilie abbaut. Das bedeutet, Du wirfst alles, was Du hast, in Richtung Deiner Schulden.

Du sparst eine beträchtliche Summe an Zinszahlungen, und wirst um Jahre früher fertig als ursprünglich geplant. Wenn Deine Immobilie abbezahlt ist, ist immer noch Zeit zu investieren und für die nötige Absicherung im Ruhestand zu sorgen. Dies kann dann aus der komfortablen Position eines komplett abgezahlten Eigenheims geschehen. Möglichen Lebensrisiken wie Jobverlust oder Krankheit kannst Du gelassen ins Auge sehen.

Möglichkeit 2 geht schneller, birgt aber ein größeres Risiko. Bei Möglichkeit 2 beginnst Du bereits jetzt zu investieren. Parallel zur regulären Tilgung Deines Darlehens investierst Du an der Börse.

In aktuellen Zeiten (2020) kosten Immobiliendarlehen relativ wenig. Je nach Bonität und Eigenkapital liegt der Zinssatz für ein 20-jähriges Darlehen bei deutlich unter 1,5%. Du kannst also mit einer vorzeitigen Tilgung nur relativ wenig an Zinsen sparen.

Stattdessen nutzt Du die höhere Rendite, die Du an der Börse bekommst. Wichtig hierbei ist, dass Dein Anlagezeitraum lang genug ist (mind. 10 Jahre). Am besten, Du investierst per Sparplan in einen breit aufgestellten ETF-Fonds. Die Kosten sind gering, das Risiko ist breit gestreut. Im Durchschnitt der letzten Jahrzehnte kannst Du mit ca. 6 bis 8% Rendite rechnen. (Mehr dazu in Teil 2 der Artikelserie)

Im Idealfall hast Du dann, wenn das Ende der Zinsbindung Deines Darlehens naht, eine Summe im Depot, die locker ausreicht, um die auf den Gewinn fällige Steuer zu bezahlen und das Restdarlehen zu tilgen.

Im weniger idealen Fall sind die Aktien allerdings gerade im Keller, wenn die Refinanzierung ansteht. In diesem Fall lässt Du die Aktien für Deine Altersvorsorge im Depot liegen und machst stattdessen eine Anschlussfinanzierung.

Das Worst-Case Szenario in Möglichkeit 2 sieht so aus: Aktien im Keller, Zinssatz plötzlich wieder hoch. Diese erhöht dann die zukünftige Tilgungsrate beträchtlich.

Diese Parameter muss man berücksichtigen, wenn man Möglichkeit 2 wählt. Dem höheren Risiko ist dementgegen die Chance zugeordnet, noch schneller schuldenfrei zu werden.

Noch kein Haus?

Wenn Du noch kein Haus (oder Wohnung) hast, musst Du zuerst die Entscheidung treffen, ob Du ein Haus brauchst. Die Experten sind sich nicht einig, ob es aus finanzieller Sicht immer die klügste Entscheidung ist, ein Haus zu kaufen*. In manchen Gegenden Deutschlands verlieren Häuser an Wert. Dazu kommen Unterhaltskosten, die man als Mieter nur indirekt hat. Umgekehrt hilft das “Zwangssparen” eines Immobiliendarlehens den weniger Disziplinierten beim Vermögensaufbau.

Diese Diskussion sprengt hier den Rahmen und ist einen eigenen Post wert. Deshalb in Kürze:

Meistens ist die Entscheidung pro/kontra Haus eine Entscheidung, die auch emotionale Faktoren beinhaltet, und das ist auch okay so.

Wenn Du ein Haus kaufst, dann stell das Vorhaben auf solide Beine. Mache nur so viele Schulden, wie Du auch tragen kannst. Spare ein ordentliches Eigenkapital an. Hierbei kannst Du Dich auch an Möglichkeit 2 orientieren – allerdings nur, wenn Du flexibel bist beim Kauftermin. Das schlimmste, das Du machen kannst, wäre es, Deine Aktien zu verkaufen, wenn die Börse gerade im Keller ist, nur weil Du gerade ein Haus kaufen willst oder musst.

Siebter Schritt: Investieren für den goldenen Ruhestand

Wenn die Schulden bezahlt sind, ist es Zeit an die Zukunft zu denken. Es ist immer gerade jetzt die Zeit, an die Zukunft zu denken. Es ist extrem wichtig, sich immer das Ende vor Auge zu halten, wenn man mit einer Sache anfängt. Wenn Du als junger Mensch gerade erst angefangen hast, Geld zu verdienen, solltest Du Dir unbedingt schon jetzt Gedanken über das große Finale machen.

Was ich sagen möchte: Wenn Du bis Punkt Sieben gekommen bist, hast Du Deine Finanzen im Griff. Nun gilt es, Dir selbst große Ziele zu setzen. Setze Dir Ziele für einen Lebensabend im Wohlstand.

Wenn Du der genügsame Typ bist, der mit wenig auskommt, ist es trotzdem gut, Wohlstand anzustreben. Denke an die Menschen um Dich herum, denen Du Gutes tun kannst, wenn Du wohlhabend bist. Keiner sagt, dass Du Wohlstand für Dich behalten musst.

Wie kommst Du als disziplinierter Herr über Deine Finanzen zu Wohlstand? Ganz einfach: indem Du investierst.

Wie das geht, erfährst Du in Teil 2 der Artikelserie.

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