Das Auto – des Deutschen liebstes Kind. Wir sind die Autofahrernation. Für kaum etwas geben wir mehr Geld aus, als für unseren fahrenden Untersatz.

Doch leider begehen wir mit unseren Autokäufen regelmäßig finanziellen Selbstmord. Das schlimme daran: oftmals merken wir es nicht mal – denn es kann auch ein Tod auf Raten sein.

In dieser Artikelserie erfährst Du, wie Du die schlimmsten Fehler vermeidest, und wie Du stattdessen ein kleines Vermögen anhäufen kannst. Denke daran: nicht Dein Anfang zählt, sondern wie Du Dein Ziel erreichst!

Erkenne und vermeide die Emotionen-Falle beim Autokauf

Unser “Heiligs Blechle” dient nicht nur seinem Selbstzweck, der Mobilität. Nein. Es ist auch – Hand aufs Herz – ein Statussymbol, mit dem wir unsere Nachbarn und Kollegen beindrucken möchten: Seht her, ich habe es zu etwas gebracht.

Meistens kann man sogar eine gewisse negative Korrelation zwischen Alter, “es zu etwas gebracht haben”, und Größe des Statussymbols beobachten. Ein Schelm, wer Böses denkt.

Vorweg: auch ich liebe Autos. Auch ich habe manchmal den brennenden Wunsch, mit meinem Auto andere zu beeindrucken. In meinen Tagträumen bilde ich mir ein, wieviel besser ich doch behandelt werden würde, wenn ich nicht in meinem Peugeot vorfahren würde, sondern im schicken 5er BMW.

Ich weiß also, wovon ich rede. Ja, es gibt sie, die Menschen, denen es total egal ist, welches Auto sie fahren. Das Statussymbol für alle, die kein Statussymbol brauchen und so…Ich gehöre jedenfalls nicht dazu.

Wir verbinden also unser Auto mit Emotionen. Unsere Kaufentscheidung ist von Emotionalität getrieben. Klar, das zuzugeben fällt oft nicht so leicht. Wir ziehen allerlei schein-rationale Argumente heran, warum es genau dieses Fahrzeug sein muss, warum es nicht älter als x Jahre sein darf, oder warum es so viel besser ist, einen Neuwagen zu kaufen.

Das Problem: Wer sich beim Kaufen von seinen Emotionen treiben lässt (bewusst oder unbewusst), macht drastische Fehler mit gravierenden finanziellen Folgen.

Lass Dich beim Autokauf nicht von Deinen Emotionen steuern

Wenn man Car-Shopping geht, freut man sich an den schön polierten Karren, die den aufregenden Neuwagen-Duft verströmen. Du hast ein gewisses Budget (meistens in ungefährer Höhe der gesamten Ersparnisse), und nimmst Dir vor, in etwa im Rahmen dieses Budgets zu bleiben. Du hast eine ungefähre Vorstellung der Fahrzeuge, die zu Deinem Budget passen würden.

Doch dann passiert etwas Merkwürdiges: Du verliebst Dich ausgerechnet in dieses eine Fahrzeug, das über Deinem Budget liegt.

Du überlegst also, wie Du Dir dieses Auto doch leisten könntest – das Budget war ja eh nur ein grober Anhaltspunkt, sagst Du Dir. Vielleicht könntest Du dieses Jahr zu Weihnachten nur Überraschungseier verschenken…und Heizöl ist doch auch überbewertet – wer friert kann sich ja eine Jacke anziehen.

Irgendwie findest Du Mittel und Wege, das Geld für Deinen Traumwagen doch aufzubringen, schlimmstenfalls durch einen Kredit. Die Rationalität, die Du vor dem Kauf (eventuell) hattest, wurde durch die Emotion ausgehebelt.

Wie vermeidest Du den Emotions-gesteuerten Autokauf?

Überlege genau, welche emotionalen Bedürfnisse Dein Autowunsch bedienen muss. Sei ehrlich mit Dir (das ist oft gar nicht so leicht. Frag mal Deinen Partner, dem fällt das “ehrlich-mit Dir-sein“ vielleicht leichter).

Welches Auto-Modell passt zu Deiner aktuellen Lebenssituation? Welches zu Deiner Finanzsituation? Wieviel Prozent Deiner Wahl beruhen darauf, dass Du Deine Mitmenschen beeindrucken möchtest? Wieviel darauf, dass Du meinst, Dir etwas “gönnen” zu müssen?

Geh in Dich, und mache Dir bewusst, was Deine emotionalen Faktoren sind. Überlege Dir, wie wichtig diese für Dich sind, und welchen Euro-Betrag sie dir Wert sind.

Ich habe beispielsweise irgendwann festgestellt, dass es mir sehr wichtig war, meinen mangelnden beruflichen Erfolg zu vertuschen, und mit meinem Auto zu zeigen (vorzutäuschen), dass ich es doch zu etwas gebracht hatte.

Erkenntnis war der erste Schritt zum Erfolg. Ich konnte mich dann bewusst dazu entscheiden, dass dieses emotionale Bedürfnis mir nicht so wichtig ist, wie eine gesunde finanzielle Zukunft. Der Wert „Finanzielle Zukunft“ ist mir wichtiger als der Wert „Erfolg ausstrahlen“.

Das zu Grunde liegende emotionale Bedürfnis kann nicht über Nacht gestillt werden, aber durch das Bewusst-Machen übernimmst Du Verantwortung für Dein „Problem“ und sorgst dafür, dass es nicht in Deinen Autokaufprozess reinpfuscht.

Am besten nimmst Du einen Freund(in) mit ins Boot des Kaufprozesses, der Dich immer wieder daran erinnert, bei Deinen Werten zu bleiben.

Randnotiz zum Thema „Gönnen“

Ich beobachte so oft, wie meine Mitmenschen einen emotionalen (mit anderen Worten: dummen) Kauf damit rechtfertigen, dass sie sich mal etwas gönnen wollten.

Das ist ein dramatischer Blödsinn und eine brandgefährliche Lebenseinstellung. Konsum-Übertreibungen bleiben Konsum-Übertreibungen. Du kannst sie nicht dadurch rechtfertigen, dass Du sagst, dass Du Dir das Wert bist.

Wenn Du Dir etwas gönnen möchtest, musst Du es Dir vorher verdienen. Wirklich verdienen. In Relation zum Gönnen verdienen.
Vier Wochen Stress im Job rechtfertigen keinen “Ich-gönn-mir-Urlaub“ in der Karibik.

Eine gesundere „Gönnen“- Maßeinheit:

  • eine Tasse Kaffee in der Sonne auf Deinem Balkon genießen
  • einen Nachmittag frei nehmen zum Ausspannen am Baggersee
  • ein Spaziergang im Regen
  • ein Buch lesen

Sich etwas zu gönnen, indem man Geld, das man eigentlich nicht hat, ausgibt, ist der beste Weg in Deinen finanziellen Ruin. Emotionale Bedürfnisse nach Belohnung erfüllt man nicht mit Konsum. Am besten auch nicht mit Schokolade. Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung.

Das gilt auch fürs Auto: wer sich ein teures Auto gönnen will, muss vorher so hart gearbeitet und investiert haben, dass er sich keine Gedanken über die Kaufsumme machen muss, weil sie nur einen kleinen Anteil an seinem Gesamtvermögen ausmacht.

Ich weiß, es ist verlockend, sich etwas zu gönnen. Doch denke daran: Du opferst Deine Zukunft wenn Du in die Gönnen-Falle tappst. 

So viel Auto wie nötig, so wenig Auto wie möglich

Wie teuer darf ein Auto sein? Was sind die rationalen, vernünftigen Argumente für die Preisfindung?

Jeder würde mir zustimmen, dass es keinen Sinn macht, ein Auto zu kaufen, das so teuer ist, dass man die Raten nicht bezahlen kann.

Kann man deshalb im Umkehrschluss sagen, dass ein Auto dann das richtige ist, wenn man ohne Not den Kaufpreis und die Unterhaltskosten stemmen kann?

Nicht unbedingt. Betrachtet man nur den Kaufpreis, ist das zu kurz gedacht.

Im Controlling gibt es das Konzept “Total Cost of Ownership”. Dabei geht es darum, nicht nur die direkt sichtbaren Kosten, die bei der Anschaffung anfallen, zu betrachten, sondern alle Kosten, die über das gesamte Leben des Konsumartikels entstehen.

Überträgt man das Modell auf den Autokauf, gehören die folgenden Elemente in die Gesamtrechnung:

  • Anschaffungskosten
  • Kaufnebenkosten (Fahrt zum Auto abholen, Überführungskosten)
  • Finanzierungskosten
  • Versicherungen
  • Steuern
  • Wartungskosten
  • Spritkosten (Verbrauch!)
  • Reparaturen
  • Entsorgungskosten (E-Autos!)
  • Wertverlust
  • Entgangener Gewinn durch Bindung finanzieller Mittel

Das Problem ist, dass wir bei der Kaufentscheidung gerne den ein oder anderen Punkt ausblenden und uns stattdessen von unseren emotionalen Bedürfnissen leiten lassen.

Dabei ist jeder dieser Punkte enorm wichtig, wenn wir eine kluge Auto-Entscheidung treffen möchten. Emotionen beim Autokauf sind nicht verkehrt. Wenn Du Dir Deine Emotionen vorher bewusst gemacht hast, bleibst Du auch beim Autokauf Herr über sie.

So vermeidest Du gravierende Fehlentscheidungen und entgehst dem finanziellen Selbstmord.

Im nächsten Artikel der Serie erfährst Du, wie Du die Klippe der KFZ-Finanzierung elegant umschiffen kannst.

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